mein Gesicht nach innen drehen

Installation zu Gedichten aus Weibliches Bildnis von Gertrud Kolmar

Konzept, Performance
Nicola Caroli
Video
Joanna Kane
Aufnahme
Barbara Dahlinger
Tonschnitt
Marie Chartron

Danke an
Judith Gaida, Ariadne Ghabel, Catherine Launay und Vanessa Mildenberg.

Kolmars Gedichte sind durchdrungen von sinnlichen Bildern von Entblößung und Hingabe, Wachstum und Zerstörung und Einheit und Getrenntheit. Ihre Sprache beschwört das notwendige Gegenüber dazu herauf und schafft eine unmittelbare und oft überwältigende Intimität mit ihrem Leser.

In Weibliches Bildnis nimmt Kolmar verschiedene weibliche Aussenseiterinnen-Rollen an z.B. Die Tänzerin, Die Irre... "Ich bin immer die andere, nie die eine", sagt sie über sich selbst. In diesen Gedichten ist das Weibliche an sich das andere. Aus diesem leiblichen Ausnahmezustand heraus spricht sie ihren Leser an.

Um der Intensität Kolmars Dichtung begegenen zu können, bedarf es einem Einblick in die Persönlichkeit der Dichterin. Nicola Caroli wählte vier Gedichte aus Weibliches Bildnis - Die Dichterin, Die Sünderin, Das Tier und Die Einsame, welche immer wiederkehrende Kernthemen behandeln: Kolmars existentielles Verhältnis zu ihrer Dichtung (Die Dichterin), ihre unbefriedigende Beziehung zu ihrer eigenen Mutter und ihre Sehnsucht nach Vereinigung und Mutterschaft (Die Sünderin), ihr extremes Mitgefühl (Das Tier) und ihre Auseinandersetzung mit dem Blick, dem Sehen und Gesehen werden (Die Einsame).

Kolmar teilte Weibliches Bildnis in vier "Räume". Nicola Caroli wählte ein Gedicht von jedem Raum: Erster Raum - Die Dichterin (Dichtung), zweiter Raum - Die Sünderin (Mutter), dritter Raum - Das Tier (Mitgefühl), vierter Raum - Die Einsame (Blick) und teilte ihnen einen Raum, ein Zimmer zu.

Der erste Raum ist ein Leseraum für Die Dichterin. In zweiten Raum kann man Die Sünderin über Kopfhörer hören (eine Aufnahme von Nicola Carolis Mutter). Im dritten Raum liegt die Performerin nackt, Das Tier verkörpernd. Im vierten Raum gibt es einen visuellen Ausdruck von Die Einsame. In jedem Raum kann man das jeweilige Gedicht lesen.

Biographien

Nicola Caroli ist Poesie Vermittlerin. Ihre beiden Ausbildungen - Schauspieltraining an der Royal Academy of Dramatic Art und Master of Fine Arts in Kreativem Schreiben -Poesie, verband sie zum ersten Mal in 1998 bei ihrer ersten Regiearbeit einer Poesie-Performance. Seitdem gestaltet sie Räume für Poesie, in Form von Performance bis 2008 unter dem Namen emerging properties. Seit 2009 co-organisiert sie das Poesie Festival Printemps des Poetes, Berlin und leitet wortwedding - Laden für Poesie Projekte. Sie ist seit 2005 auch als Poesie Vermittlerin in Schulen tätig.

Joanna Kane ist eine visuelle Künstlerin aus Edinburgh, mit dem Schwerpunkt Photographie, Video und digitalen Medien. In ihrer Arbeit kombiniert sie traditionelle oder historisch inspirierte photographische Herangehensweisen mit digitaler Technik. Ihr neustes Photographie Projekt, The Somnambulists, Photographien einer Serie von Lebendmasken, wurde in der Hayward Gallery als Teil der Gruppenausstellung The Russian Linesman, kuratiert von Mark Wallinger (2009), in der Scottish National Portrait Gallery (2008), und beim European Month of Photography in Bratislava (2007) gezeigt.

Termine

Februar 2008, Festival 100° Berlin
September 2007, Schwelle 7
work in progress

Zuschauerreaktion

"I could not read the poems so well (I'm not German), but I think the fact that you are undressing yourself before getting in works very strong.
You could be me.
I could be you.
I leave something behind in order to reach you.
I leave myself or better "my outside-self" in the other room.
I could have been there very long and at the same time you want to leave.
You feel a little bit different when you come out. Thanks."
Janice, Februar 2008.

Impressum | Aktueller Stand: 14.04.2010 | © Nicola Caroli